Samstag, 20. Oktober 2012
In die Luft gehen am Hochfelln
Noch so ein traumhaftes Wochenende soll es werden. Und ich habe vom Chiemgauer 100er ja auch noch einen Gutschein, den ich einlösen muss. Also rufe ich am Donnerstag beim Tandem-Gleitschirmpiloten an, und habe ein Date. Am Samstag morgen stehe ich also in Bergen beim Chiemsee an der Talstation der Hochfellnbahn. Das Wetter passt ja schonmal.
Und um zehn spricht mich auch jemand an - der Tandempilot Pele. Alles, was ich zum In-die-Luft-Gehen brauche (also eigentlich nur eine Jacke, Handschuhe und Stirnband) kommt in den großen Sack mit der Ausrüstung, der mit etwa 30 Kilo mit der Bahn rauffährt. Pele macht neben der Fliegerei auch Bergläufe, und so ist es Ehrensache, dass wir beide zu Fuß hochgehen. "Gehen" ist relativ, die doch schon zahlreichen Wanderer machen uns teilweise kopfschüttelnd Platz, und oben bekomme ich bestätigt, dass wir mit unserer Zeit beim Hochfelln-Berglauf durchaus nicht bei den letzten gewesen wären.
Die Sicht am Gipfel ist heute phänomenal.
Dann wird der zur Windrichtung passende Startplatz ausgesucht, der Schirm ausgebreitet, angezogen, angegurtet.
Kurze Instruktion zum Start, und dann müssen wir nur noch warten, bis wieder genug Wind da ist. Sonst könnte man zu zweit nicht schnell genug starten. Dann ist es soweit. Der Schirm wird hochgezogen, und dann bekomme ich schon das Kommando, so schnell es geht den steilen Hang runterzurennen. Ich hätte mich wohl noch einen Tick schneller runterstürzen sollen, denn die Baumwipfel rauschen keinen halben Meter unter meinen Füßen durch. Dann ist der Flug purer Genuss. Der leuchtende Bergwald zieht unter uns vorbei, und wir schweben um den Hochfellngipfel herum und Richtung Talstation.
Schweben ist gut, laut GPS-Track geht es mit bis zu 50 km/h dahin, und so landen wir nach guten zehn Minuten wieder auf einer Wiese bei der Talstation. Richtige Thermik gibt es so spät im Herbst wohl nicht mehr. Auf alle Fälle war es ein tolles Erlebnis.
Unter www.tandemkollegen.de kann man nachlesen, wie man zu so einem Flug kommt, ohne sich beim Chiemgauer 100er ins Ziel durchzuschlagen und dann noch unverschämtes Losglück zu haben.
Samstag, 6. Oktober 2012
Goldener Oktober die Erste - Ammergauer Alpen
Eigentlich wollte ich ja mal etwas kürzer treten. Aber was kann ich dafür, wenn einen zwei wunderbare Herbsttage nach draußen ziehen. Am Freitag war es ja noch nicht ganz so "schlimm", da lief ich nur die mittellange Runde um die Stadt.
Aber soll ich am Samstag wirklich zuhause bleiben? Sonntag ist schlechtes Wetter angekündigt, da ist ja noch genug Zeit für "Innendienst". Also stehe ich Samstag morgens wieder einmal auf einem Wanderparkplatz, diesmal in den Ammergauer Alpen kurz hinter Schloss Linderhof. Dort trabe ich erstmal dem Kini durch den Vorgarten. Auch wenn der vielleicht einen leichten Hau hatte, er wusste doch, wo es schön ist. Nur brauche ich eine Weile, bis ich in zwischen all den Laubengängen und maurischen Kiosken den Beginn des Weges zum Pürschling finde.
Einmal auf dem richtigen Pfad, geht es steil bergauf. Soweit irgendwie möglich, versuche ich mal, bergauf zu laufen. In kurzen Schritten geht es. Am August-Schuster-Haus angekommen, stelle ich fest, dass der Pürschling, einer der Münchner Paradesonntagsausflüge, eigentlich kein richtiger Berg ist, sondern nur ein kleiner Mugel, der direkt neben der Hütte liegt. Also mache ich mich gleich auf zum Teufelstättkopf, dem ersten Eckpunkt meiner Tour. Ganz kurze Kraxelei, dann stehe ich am Kreuz. Von hier aus sind die weiteren Gipfel aufgereiht wie auf einer Perlenkette zu sehen. Geplant habe ich, bis zur Klammspitze zu kommen, dem felsigen Dreieck rechts im Bild. Weiter hinten in der Bildmitte sieht man noch die Hochplatte.
Immer wieder interessant zu sehen, wie flach Bayern ist. Ok, da ist natürlich der Alpenrand (also im folgenden Bild das bewaldete Hörnle), da geht es aufwärts. Aber nördlich davon: topfeben.
Länger halte ich mich mit derlei geologischen Betrachtungen aber nicht auf, denn ein wunderschöner Weg wartet auf mich. Mal geht es knapp unterhalb des Kammes entlang, mal direkt darauf. Die diversen Gipfel quert man unterhalb, so dass es immer Abstecher nach oben gibt. Die müssen heute natürlich sein. Nach dem Teufelstättkopf folgt das Laubeneck. Kurzer Abstecher vom Weg nach oben, beinahe weglos. Dieser Gipfel wird sicher nicht allzu häufig besucht.
Wunderschön ist es, wenn die Herbstsonne das Laub zum Leuchten bringt. Der Weg ist zwar schmal, aber bis hier überwiegend gut zu laufen.
Der nächste Kipf ist der Hennenkopf. Wieder ein kurzer Abstecher nach oben. Vor dem Brunnenkopfhaus treffe ich wieder auf den Maximiliansweg, der bis dahin südlich unterhalb des Kammes verlief. Auf dem Weg zur Hütte ist natürlich inzwischen einiges los. Ich muss zugeben, dass es mir schon einen gewissen Spaß bereitet, an den vernehmbar keuchenden, rotgesichtigen Gelegenheitswanderern vorbei locker-flockig zur Hütte hochzutraben. Schnell noch auf den Brunnenkopf, heute Gipfel Nummer vier, und dann weiter zur Klammspitze. Hier wird es dann so steil, dass Schluss ist mit der Lauferei. Die einfache Kraxelei hoch zum Gipfel ist halb so wild und macht richtig Laune.
Dass ich diesen Berg heute nicht für mich alleine habe, ist klar. Die Aussicht auf die anderen Ammergauer Gipfel, das Karwendel, den Wetterstein, die Lechtaler ist einfach phänomenal. Ganz hinten lugen sogar noch ein paar der Ötztaler Berge vor. Im Bild der Blick nach Osten, das Graswangtal vor, über das Estergebirge hinweg. Ganz hinten sieht man noch die Spitze des Guffert.
Mein Weg führt aber weiter nach Westen. Erstmal wieder runter von der Klammspitze. Dann wird es ein kleines bisschen ernster, denn der schmale Pfad führt durch eine etwas steilere Flanke. Dann wieder ein Aufschwung, und ich bin auf dem Feigenkopf, Gipfel Numero sechs (das ist der dachförmige links der Bildmitte; rechts sieht man den Forggensee). Vom Feigenkopf wieder runter, und weil's so schön ist, gleich noch hoch zum Grubenkopf, Nummer sieben.
Die meisten Blumen sind inzwischen verblüht, aber die Silberdisteln leuchten noch aus dem Gras.
Eigentlich könnte ich es jetzt gut sein lassen, zum Sägertalbach runter und dann durch das Tal zurück zum Parkplatz. Aber auf der anderen Seite lockt die Kenzenhütte. Wäre danach eben noch ein Gegenanstieg von 400 Metern. Egal, eine halbe Stunde später sitze ich vor der Hütte, lasse mir die Sonne auf den Rücken brennen und genieße mein Weißbier. Alkoholfrei natürlich, ich will ja heute wieder heimkommen.
Nach dieser Pause dauert es etwas, bis mein Kreislauf wieder auf Touren ist. Kurz nach halb vier treffe ich auf eine Weggabelung unterhalb des Lösertaljoches, von dem aus es nur noch nach unten geht zurück zum Auto. Aber es ist ja noch ein ganzes Stück Tag übrig. Da könnte ich doch noch ...
Also nicht links zum Joch, sondern nach rechts, Richtung Hochplatte. Allerdings habe ich etwas unterschätzt, wie lange sich das zieht. Auf dem letzten Stück vor dem Kreuz muss ich nochmal aufpassen, denn es bläst inzwischen ganz schön hier oben. Und einen leichten Anflug von Ausgesetztheit hat es auch noch für ein paar Meter. In großen Schritten eilt sie herbei, die Kaltfront aus dem Norden. Sicht- und spürbar wird es frischer, und ich beeile mich, wieder wegzukommen. Vorher aber noch ein Rundblick auf das Meer von hunderten von Gipfeln.
Vor dem Lösertaljoch schaue ich nochmal zurück zur Hochplatte.
Der Himmel ist komplett bewölkt, und bald wird es auch dunkel. Nix wie hoch zum Joch und auf der anderen Seite runter. Anfangs geht es noch etwas mühsam. Die Kühe hier oben haben beim Almabtrieb noch ganze Arbeit geleistet und den Weg streckenweise in Sumpf verwandelt. Endlich erreiche ich das Sägertal, und auf dem nun breiten Weg gebe ich nochmal Gas. Immerhin ist es noch nicht ganz dunkel, als ich wieder am Auto ankomme.
Wow, war das ein Herbsttag! Carpe Diem, wie der Mongole sagt, und viel besser hätte ich ihn wohl auch nicht ausnutzen können. An den zu erwartenden trüben, regnerischen Tagen werde ich einfach die Augen schließen und daran zurückdenken. Ach ja, ausruhen kann ich dann ja nächste Woche.
Wenn jemand sich inspiriert fühlt: die Tour hat 43 Kilometer und etwas 3000 Höhenmeter. Auch für sportliche Wanderer an einem Tag machbar, wenn man vielleicht die Hochplatte weglässt.
Aber soll ich am Samstag wirklich zuhause bleiben? Sonntag ist schlechtes Wetter angekündigt, da ist ja noch genug Zeit für "Innendienst". Also stehe ich Samstag morgens wieder einmal auf einem Wanderparkplatz, diesmal in den Ammergauer Alpen kurz hinter Schloss Linderhof. Dort trabe ich erstmal dem Kini durch den Vorgarten. Auch wenn der vielleicht einen leichten Hau hatte, er wusste doch, wo es schön ist. Nur brauche ich eine Weile, bis ich in zwischen all den Laubengängen und maurischen Kiosken den Beginn des Weges zum Pürschling finde.
Einmal auf dem richtigen Pfad, geht es steil bergauf. Soweit irgendwie möglich, versuche ich mal, bergauf zu laufen. In kurzen Schritten geht es. Am August-Schuster-Haus angekommen, stelle ich fest, dass der Pürschling, einer der Münchner Paradesonntagsausflüge, eigentlich kein richtiger Berg ist, sondern nur ein kleiner Mugel, der direkt neben der Hütte liegt. Also mache ich mich gleich auf zum Teufelstättkopf, dem ersten Eckpunkt meiner Tour. Ganz kurze Kraxelei, dann stehe ich am Kreuz. Von hier aus sind die weiteren Gipfel aufgereiht wie auf einer Perlenkette zu sehen. Geplant habe ich, bis zur Klammspitze zu kommen, dem felsigen Dreieck rechts im Bild. Weiter hinten in der Bildmitte sieht man noch die Hochplatte.
Immer wieder interessant zu sehen, wie flach Bayern ist. Ok, da ist natürlich der Alpenrand (also im folgenden Bild das bewaldete Hörnle), da geht es aufwärts. Aber nördlich davon: topfeben.
Länger halte ich mich mit derlei geologischen Betrachtungen aber nicht auf, denn ein wunderschöner Weg wartet auf mich. Mal geht es knapp unterhalb des Kammes entlang, mal direkt darauf. Die diversen Gipfel quert man unterhalb, so dass es immer Abstecher nach oben gibt. Die müssen heute natürlich sein. Nach dem Teufelstättkopf folgt das Laubeneck. Kurzer Abstecher vom Weg nach oben, beinahe weglos. Dieser Gipfel wird sicher nicht allzu häufig besucht.
Wunderschön ist es, wenn die Herbstsonne das Laub zum Leuchten bringt. Der Weg ist zwar schmal, aber bis hier überwiegend gut zu laufen.
Der nächste Kipf ist der Hennenkopf. Wieder ein kurzer Abstecher nach oben. Vor dem Brunnenkopfhaus treffe ich wieder auf den Maximiliansweg, der bis dahin südlich unterhalb des Kammes verlief. Auf dem Weg zur Hütte ist natürlich inzwischen einiges los. Ich muss zugeben, dass es mir schon einen gewissen Spaß bereitet, an den vernehmbar keuchenden, rotgesichtigen Gelegenheitswanderern vorbei locker-flockig zur Hütte hochzutraben. Schnell noch auf den Brunnenkopf, heute Gipfel Nummer vier, und dann weiter zur Klammspitze. Hier wird es dann so steil, dass Schluss ist mit der Lauferei. Die einfache Kraxelei hoch zum Gipfel ist halb so wild und macht richtig Laune.
Dass ich diesen Berg heute nicht für mich alleine habe, ist klar. Die Aussicht auf die anderen Ammergauer Gipfel, das Karwendel, den Wetterstein, die Lechtaler ist einfach phänomenal. Ganz hinten lugen sogar noch ein paar der Ötztaler Berge vor. Im Bild der Blick nach Osten, das Graswangtal vor, über das Estergebirge hinweg. Ganz hinten sieht man noch die Spitze des Guffert.
Mein Weg führt aber weiter nach Westen. Erstmal wieder runter von der Klammspitze. Dann wird es ein kleines bisschen ernster, denn der schmale Pfad führt durch eine etwas steilere Flanke. Dann wieder ein Aufschwung, und ich bin auf dem Feigenkopf, Gipfel Numero sechs (das ist der dachförmige links der Bildmitte; rechts sieht man den Forggensee). Vom Feigenkopf wieder runter, und weil's so schön ist, gleich noch hoch zum Grubenkopf, Nummer sieben.
Die meisten Blumen sind inzwischen verblüht, aber die Silberdisteln leuchten noch aus dem Gras.
Eigentlich könnte ich es jetzt gut sein lassen, zum Sägertalbach runter und dann durch das Tal zurück zum Parkplatz. Aber auf der anderen Seite lockt die Kenzenhütte. Wäre danach eben noch ein Gegenanstieg von 400 Metern. Egal, eine halbe Stunde später sitze ich vor der Hütte, lasse mir die Sonne auf den Rücken brennen und genieße mein Weißbier. Alkoholfrei natürlich, ich will ja heute wieder heimkommen.
Nach dieser Pause dauert es etwas, bis mein Kreislauf wieder auf Touren ist. Kurz nach halb vier treffe ich auf eine Weggabelung unterhalb des Lösertaljoches, von dem aus es nur noch nach unten geht zurück zum Auto. Aber es ist ja noch ein ganzes Stück Tag übrig. Da könnte ich doch noch ...
Also nicht links zum Joch, sondern nach rechts, Richtung Hochplatte. Allerdings habe ich etwas unterschätzt, wie lange sich das zieht. Auf dem letzten Stück vor dem Kreuz muss ich nochmal aufpassen, denn es bläst inzwischen ganz schön hier oben. Und einen leichten Anflug von Ausgesetztheit hat es auch noch für ein paar Meter. In großen Schritten eilt sie herbei, die Kaltfront aus dem Norden. Sicht- und spürbar wird es frischer, und ich beeile mich, wieder wegzukommen. Vorher aber noch ein Rundblick auf das Meer von hunderten von Gipfeln.
Vor dem Lösertaljoch schaue ich nochmal zurück zur Hochplatte.
Der Himmel ist komplett bewölkt, und bald wird es auch dunkel. Nix wie hoch zum Joch und auf der anderen Seite runter. Anfangs geht es noch etwas mühsam. Die Kühe hier oben haben beim Almabtrieb noch ganze Arbeit geleistet und den Weg streckenweise in Sumpf verwandelt. Endlich erreiche ich das Sägertal, und auf dem nun breiten Weg gebe ich nochmal Gas. Immerhin ist es noch nicht ganz dunkel, als ich wieder am Auto ankomme.
Wow, war das ein Herbsttag! Carpe Diem, wie der Mongole sagt, und viel besser hätte ich ihn wohl auch nicht ausnutzen können. An den zu erwartenden trüben, regnerischen Tagen werde ich einfach die Augen schließen und daran zurückdenken. Ach ja, ausruhen kann ich dann ja nächste Woche.
Wenn jemand sich inspiriert fühlt: die Tour hat 43 Kilometer und etwas 3000 Höhenmeter. Auch für sportliche Wanderer an einem Tag machbar, wenn man vielleicht die Hochplatte weglässt.
Samstag, 29. September 2012
Nachts um den Tegernsee
Vor einiger Zeit schon hatte ich auf Trailschnittchen's Homepage die Einladungen zum "Trailrunner's Runday" gesehen. Etwa einmal im Monat treffen sich Gleichgesinnte irgendwo in den Bayerischen Voralpen, um einige Stunden die Gegend unsicher zu machen. Leider hat das bei mir zeitlich nie reingepasst.
Ausgerechnet bei einer etwas längeren Aktion, einem Nachtlauf um den Tegernsee, habe ich dann Zeit. Mit einem etwas mulmigen Gefühl fahre ich Freitag Abends nach Gmund. Ich bin etwas zu früh dran und genieße noch die Abendstimmung am Seeufer. Kurz vor neun tauchen am Parkplatz dann einige einschlägig gekleidete Leute auf, die sich dann auch als "Tegernsee-Nightrunner" herausstellen. Meine Bedenken, dass ich hier mehr oder weniger unangemeldet auftauche, sind schnell zerstreut. Kurz nach neun laufe ich also mit zehn anderen los. Die Strecke hat Julia "Trailschnittchen" zusammengestellt.
Zunächst geht es gemäßigt los, an der Ostseite des Tegernsees. Dann wird der Weg aber steiler, auf die Neureuth hoch, weiter Richtung Gindelalm, Kreuzbergalm und am Riederstein vorbei. Die Wege sind vom Feinsten, da bleibt kein Auge, äh, Schuh trocken, und einmal steht jemand nur mit Socke da, und der Schuh muss aus dem knöcheltiefen Schmodder geborgen werden. Dann geht der Express abwärts nach Rottach-Egern. Die Truppe ist ganz schön schnell unterwegs, wenn ich alleine hier laufen würde, wäre ich vermutlich eine ganze Ecke langsamer. Aber ich komme einigermaßen mit.
Dann geht es Richtung Wallberg, nicht ganz hoch, sondern etwa auf halber Höhe unter Wallberg und Setzberg vorbei, und wieder runter nach Kreuth. Kurz vor eins ist es, als wir uns von dort auf den Weg auf den Hirschberg machen. Es soll eigentlich nicht bis auf den Gipfel gehen, aber "aus Versehen" laufen wir dann doch hoch. Dann runter, am Hirschberghaus vorbei (kurze Pause dort), und nach Bad Wiessee. Hier wird dann überlegt, ob es noch "trailig" mit etwas auf und ab durch den Wald nach Gmund zurückgehen soll, oder eher "asphaltig" am Seeufer entlang.
Die Entscheidung fällt für das Seeufer. Die letzten acht Stunden haben doch ein paar Spuren hinterlassen. Das Feld teilt sich nun auch etwas, ich bin irgendwo mittendrin und muss mich entscheiden, ob ich Gas gebe oder bremse. Eigentlich ist mir eher nach bremsen, ich trete aber trotzdem den Weg nach vorne an. So richtig locker bin ich aber nicht mehr. Der Weg zieht sich jetzt ziemlich. Irgendwann taucht dann Gmund aber doch auf, und plötzlich stehen wir am Parkplatz. Etwas überraschend für mich, da ich wohl die Orientierung etwas verloren hatte, aber nicht unangenehm.
Der weitere Weg, jetzt aber mit fahrbarem Untersatz, führt dann zu einer Bäckerei in Dürnbach, wo wir uns bei Kaffee, süßen Stückchen und Butterbrezen von den Strapazen erholen.
Die Jungs und Mädels in diesem etwas anderen "Lauftreff" sind ganz schön gut drauf, und diese nette 53-Kilometer-Runde um den Tegernsee war für mich streckenweise schon Tempotraining. Macht aber ja auch mal Spaß, und so werde ich mal ab und zu nachschauen, wo der nächste "Runday" stattfinden soll.
Ausgerechnet bei einer etwas längeren Aktion, einem Nachtlauf um den Tegernsee, habe ich dann Zeit. Mit einem etwas mulmigen Gefühl fahre ich Freitag Abends nach Gmund. Ich bin etwas zu früh dran und genieße noch die Abendstimmung am Seeufer. Kurz vor neun tauchen am Parkplatz dann einige einschlägig gekleidete Leute auf, die sich dann auch als "Tegernsee-Nightrunner" herausstellen. Meine Bedenken, dass ich hier mehr oder weniger unangemeldet auftauche, sind schnell zerstreut. Kurz nach neun laufe ich also mit zehn anderen los. Die Strecke hat Julia "Trailschnittchen" zusammengestellt.
Zunächst geht es gemäßigt los, an der Ostseite des Tegernsees. Dann wird der Weg aber steiler, auf die Neureuth hoch, weiter Richtung Gindelalm, Kreuzbergalm und am Riederstein vorbei. Die Wege sind vom Feinsten, da bleibt kein Auge, äh, Schuh trocken, und einmal steht jemand nur mit Socke da, und der Schuh muss aus dem knöcheltiefen Schmodder geborgen werden. Dann geht der Express abwärts nach Rottach-Egern. Die Truppe ist ganz schön schnell unterwegs, wenn ich alleine hier laufen würde, wäre ich vermutlich eine ganze Ecke langsamer. Aber ich komme einigermaßen mit.
Dann geht es Richtung Wallberg, nicht ganz hoch, sondern etwa auf halber Höhe unter Wallberg und Setzberg vorbei, und wieder runter nach Kreuth. Kurz vor eins ist es, als wir uns von dort auf den Weg auf den Hirschberg machen. Es soll eigentlich nicht bis auf den Gipfel gehen, aber "aus Versehen" laufen wir dann doch hoch. Dann runter, am Hirschberghaus vorbei (kurze Pause dort), und nach Bad Wiessee. Hier wird dann überlegt, ob es noch "trailig" mit etwas auf und ab durch den Wald nach Gmund zurückgehen soll, oder eher "asphaltig" am Seeufer entlang.
Die Entscheidung fällt für das Seeufer. Die letzten acht Stunden haben doch ein paar Spuren hinterlassen. Das Feld teilt sich nun auch etwas, ich bin irgendwo mittendrin und muss mich entscheiden, ob ich Gas gebe oder bremse. Eigentlich ist mir eher nach bremsen, ich trete aber trotzdem den Weg nach vorne an. So richtig locker bin ich aber nicht mehr. Der Weg zieht sich jetzt ziemlich. Irgendwann taucht dann Gmund aber doch auf, und plötzlich stehen wir am Parkplatz. Etwas überraschend für mich, da ich wohl die Orientierung etwas verloren hatte, aber nicht unangenehm.
Der weitere Weg, jetzt aber mit fahrbarem Untersatz, führt dann zu einer Bäckerei in Dürnbach, wo wir uns bei Kaffee, süßen Stückchen und Butterbrezen von den Strapazen erholen.
Die Jungs und Mädels in diesem etwas anderen "Lauftreff" sind ganz schön gut drauf, und diese nette 53-Kilometer-Runde um den Tegernsee war für mich streckenweise schon Tempotraining. Macht aber ja auch mal Spaß, und so werde ich mal ab und zu nachschauen, wo der nächste "Runday" stattfinden soll.
Dienstag, 21. August 2012
4 Gipfel in Wetterstein und Mieminger - ein Versuch
Eigentlich hatte ich schon als Vorbereitung für den Lauf im Chiemgau eine Runde durch Wetterstein und Mieminger geplant. Etwas mit vielen Höhenmetern, mit ein paar anspruchsvollen Schmankerln. Das Wetter und ein entzündeter Ellbogen hatten mir aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Nach Ruhpolding fühlte ich mich wieder einigermaßen regeneriert, und deshalb wollte ich an diesem Wochenende das Ding unbedingt noch ausprobieren. Eigentlich habe ich ja noch nach Begleitung gesucht, aber im Nachhinein bin ich doch ganz froh, dass das nicht geklappt hat. Es hat nämlich nicht alles so funktioniert wie ich mir das vorgestellt habe. Am Montag hatte ich noch einen Tag frei, wolken- und gewitterfreies Wetter war angekündigt. Scheint perfekt.
Der erste Wermutstropfen zeigte sich beim Studium der Tourenempfehlung der Höllentalangerhütte: Steigeisen sind obligatorisch beim Weg auf die Zugspitze, da der Schnee auf dem Gletscher ziemlich abgeschmolzen ist. Ist eben schon August. Das war's also mit ganz leichtem Gepäck, die Dinger wiegen schon was.
Da ich mit einer Zeit von um die 24 Stunden rechnete, bin ich schon Sonntag Abend los, um die Zeit möglichst gut zu nutzen. Geht eigentlich ganz gut, nur sollte man vorher ziemlich gut ausgeschlafen haben - was bei mir nicht ganz der Fall war. Viertel vor zehn geht es also an schon reichlich bekannter Stelle in Grainau los, im Trab durch die dunkle Ortschaft und Richtung Höllental. Reduzierung auf marschierende Gangart wo es zu steil wird. Klamm, Höllentalanger - auch hier kann man noch einsam unterwegs sein. Man muss sich nur die richtige Zeit aussuchen ;-).
Am Höllentalferner wartet eine Flanke aus Blankeis. Es ist zwar ein etwas schwammiges Gefühl, die weiche Sohle der Wings in den Eisen, aber hier geht es doch recht sicher. Die Orientierung mit der Stirnlampe braucht etwas Zeit, ich sehe nicht die Spuren der Vorgänger. Dann muss ich mir eben selber einen günstigen Weg suchen. Der anschließende Klettersteig erfordert in der Dunkelheit auch etwas mehr Sorgfalt. So gibt es erst nach 4 Stunden ein Foto vom Gipfelkreuz.
Auch auf dem Weg zum Platt und weiter zur Knorrhütte kostet die Orientierung immer wieder ein paar Minuten. Ab und zu muss ich auch einfach stehen bleiben und zum Himmel schauen. Wer noch nie eine klare Nacht in den Bergen erlebt hat: unbedingt auf die Liste der noch zu erledigenden Dinge setzen! Ein paar Sternschnuppen sausen auch über das Firmament.
Bei der Hochfeldernalm kündigt sich der neue Tag an.
Auf dem Weg durch das Gaistal beleuchtet die Sonne die ersten Gipfel. Hier die Hochwand und die Hohe Munde, meine nächstes Ziel.
Beim Laufen auf dem einfachen Forstweg habe ich ein paarmal ein Gefühl von Sekundenschlaf. So kann ich jedenfalls nicht in anspruchsvolles Gelände, und ich setze mich erstmal hin und döse eine dreiviertel Stunde. Und bin damit schon etwa 3 Stunden hinter meinem Zeitplan. Aber danach macht der Aufstieg zur Niederen Munde richtig Spaß, und die Aussicht ist phänomenal. Nachdem die ganz Nacht relativ warm war, wird es nun zunehmend heiß. Glücklicherweise geht auf den Bergen noch etwas Wind. Der Blick auf die Südseite des Wettersteins und durch das Leutaschtal auf das Karwendel ist prächtig.
Nach der Niederen Munde wird der Weg anspruchsvoll. Die Kletterstellen sind zwar meist mit Drahtseil gesichert, aber mit richtigen Bergschuhen ginge das schon etwas einfacher. Für die teilweise kleinen Tritte an den Kletterstellen sind die Wings einfach zu weich. Dass man hinter sich 2000 Meter tief direkt ins Inntal schauen kann, senkt den Puls genauso wenig wie die nicht immer ganz solide aussehenden Befestigungen der ab und zu vorhandenen Drahtseile.
Aber dann stehe ich auf dem zweiten Gipfel der Runde, der Hohen Munde, und die Sicht auf Stubaier und Zillertaler Alpen, das Karwendel, den Wetterstein, die Lechtaler ist atemberaubend. Hier der Blick nach Süden, Richtung Stubaier.
Und hier die Zillertaler, unten das Inntal.
Zu lange darf ich mich damit aber nicht aufhalten. Kurz runter und auf der anderen Seite wieder hoch auf den Ostgipfel, dann der Abstieg auf einem erdigen Wegchen. Bis zu 40 Grad steil und 600 Meter hoch ist die Ostflanke, hier sollte man auch nicht unbedingt ausrutschen.
Im anschließenden Latschengürtel steht die Hitze, und unten auf der Rauthhütte stürze ich erstmal Cola und Skiwasser runter. Von unten gesehen ist die Hohe Munde schon ein Brocken.
Der weitere Weg an den diversen Ortsteilen von Leutasch vorbei empfinde ich als Tortur. Die Sonne brennt vom Himmel, es ist unerträglich heiß. Eigentlich könnte man hier flott laufen, aber ich bringe höchstens noch einen müden Trab hin. Wenigstens kann ich die Trinkblase im Fluss auffüllen. Ab und zu brauche ich eine Pause, wenn sich mal eine schattige Bank zeigt. Ich bin beinahe erleichtert, als ich nach fast zwei Stunden beim Aufstieg Richtung Meilerhütte ankomme.
Dieser verläuft wenigstens teilweise im schattigen Wald. Die schöne Aussicht auf die gegenüberliegenden Ahrnspitzen ist mir ein Foto wert.
Um halb sieben bin ich an der Hütte. Zweieinhalb Stunden für 1300 Höhenmeter - eher zügiges Wandertempo als Berglauf, aber die bisherige Anstrengung fordert ihren Tribut.
Angesichts der fortgeschrittenen Zeit lasse ich die Dreitorspitze aus. Ich will nicht zu weit in die Nacht hineinkommen. Dass diese Entscheidung goldrichtig war sehe ich auf dem Weg hinunter zur Schachenhütte. Entgegen der Wettervorhersage braut sich etwas zusammen.
20 Minuten bergab, so schnell es geht, und mit den ersten Tropfen erreiche ich die Hütte. Hier ist reger Betrieb, da einige auf dem Weg zur Meilerhütte umgedreht haben und hier jetzt ein Nachtlager brauchen. Es dauert eine ganze Weile, bis sich Blitz und Donner verzogen haben, oder sich zumindest nur noch auf entfernteren Gipfeln austoben. Als ich den Weiterweg für vertretbar halte, ist es neun Uhr abends und schon wieder dunkel. Richtiger Spaß kommt auf dem nun nassen und rutschigen Steig hinunter zur Partnach nicht mehr auf. Eindrucksvolles Wetterleuchten erhellt ab und zu die Stellen, wo man nicht hinunterpurzeln sollte.
Auch über den letzten Anstieg von der Bockhütte Richtung Stuiben und weiter zum Kreuzeck hält sich meine Freude in Grenzen. Aber ich muss ja zum Auto zurück. Da es auf den umliegenden Gipfeln immer noch rumort, ist natürlich auch die Alpspitze gestrichen. Für ein kleines Stileben am Wegrand packe ich trotzdem nochmal den Foto aus
Kurz bevor ich wieder unten in Hammersbach bin, verliere ich noch den Weg auf einer Kuhweide. Querung über die Wiese nach Blick auf das GPS, und dabei saue ich mir die Schuhe nochmal so richtig ein. Dunkelbraun statt orange. Die muss ich im Bach unten erstmal grob säubern, bevor ich ins Auto steige. Bei selbigem komme ich dann um 2 Uhr an.
Jetzt bin ich am Grübeln, ob ich eine solche Tour nochmal machen soll. 28 Stunden für knapp 80 Kilometer hat mit Laufen nicht mehr viel zu tun (ok, da sind natürlich alle Pausen wegen Orientierung, Müdigkeit und Gewitter mit drin). Und ein Kilo Steigeisen über die ganze Strecke zu schleppen ist auch nicht so prickelnd, vor allem, weil die mit dem anderen Geraffel nicht in den leichten Laufrucksack passen. Also vielleicht doch lieber die anspruchsvolleren Wege als "normale" Bergtour angehen, und für Trailrunden Strecken suchen, auf denen man zumindest halbwegs zügig unterwegs sein kann? Muss ich mir nochmal ausgiebig überlegen.
Ein sehr intensives Mentaltraining war es auf alle Fälle, besonders die letzten Stunden. Aber es war dann doch ganz gut, da nicht noch jemanden mit hineingezogen zu haben.
Nach Ruhpolding fühlte ich mich wieder einigermaßen regeneriert, und deshalb wollte ich an diesem Wochenende das Ding unbedingt noch ausprobieren. Eigentlich habe ich ja noch nach Begleitung gesucht, aber im Nachhinein bin ich doch ganz froh, dass das nicht geklappt hat. Es hat nämlich nicht alles so funktioniert wie ich mir das vorgestellt habe. Am Montag hatte ich noch einen Tag frei, wolken- und gewitterfreies Wetter war angekündigt. Scheint perfekt.
Der erste Wermutstropfen zeigte sich beim Studium der Tourenempfehlung der Höllentalangerhütte: Steigeisen sind obligatorisch beim Weg auf die Zugspitze, da der Schnee auf dem Gletscher ziemlich abgeschmolzen ist. Ist eben schon August. Das war's also mit ganz leichtem Gepäck, die Dinger wiegen schon was.
Da ich mit einer Zeit von um die 24 Stunden rechnete, bin ich schon Sonntag Abend los, um die Zeit möglichst gut zu nutzen. Geht eigentlich ganz gut, nur sollte man vorher ziemlich gut ausgeschlafen haben - was bei mir nicht ganz der Fall war. Viertel vor zehn geht es also an schon reichlich bekannter Stelle in Grainau los, im Trab durch die dunkle Ortschaft und Richtung Höllental. Reduzierung auf marschierende Gangart wo es zu steil wird. Klamm, Höllentalanger - auch hier kann man noch einsam unterwegs sein. Man muss sich nur die richtige Zeit aussuchen ;-).
Am Höllentalferner wartet eine Flanke aus Blankeis. Es ist zwar ein etwas schwammiges Gefühl, die weiche Sohle der Wings in den Eisen, aber hier geht es doch recht sicher. Die Orientierung mit der Stirnlampe braucht etwas Zeit, ich sehe nicht die Spuren der Vorgänger. Dann muss ich mir eben selber einen günstigen Weg suchen. Der anschließende Klettersteig erfordert in der Dunkelheit auch etwas mehr Sorgfalt. So gibt es erst nach 4 Stunden ein Foto vom Gipfelkreuz.
Auch auf dem Weg zum Platt und weiter zur Knorrhütte kostet die Orientierung immer wieder ein paar Minuten. Ab und zu muss ich auch einfach stehen bleiben und zum Himmel schauen. Wer noch nie eine klare Nacht in den Bergen erlebt hat: unbedingt auf die Liste der noch zu erledigenden Dinge setzen! Ein paar Sternschnuppen sausen auch über das Firmament.
Bei der Hochfeldernalm kündigt sich der neue Tag an.
Auf dem Weg durch das Gaistal beleuchtet die Sonne die ersten Gipfel. Hier die Hochwand und die Hohe Munde, meine nächstes Ziel.
Beim Laufen auf dem einfachen Forstweg habe ich ein paarmal ein Gefühl von Sekundenschlaf. So kann ich jedenfalls nicht in anspruchsvolles Gelände, und ich setze mich erstmal hin und döse eine dreiviertel Stunde. Und bin damit schon etwa 3 Stunden hinter meinem Zeitplan. Aber danach macht der Aufstieg zur Niederen Munde richtig Spaß, und die Aussicht ist phänomenal. Nachdem die ganz Nacht relativ warm war, wird es nun zunehmend heiß. Glücklicherweise geht auf den Bergen noch etwas Wind. Der Blick auf die Südseite des Wettersteins und durch das Leutaschtal auf das Karwendel ist prächtig.
Nach der Niederen Munde wird der Weg anspruchsvoll. Die Kletterstellen sind zwar meist mit Drahtseil gesichert, aber mit richtigen Bergschuhen ginge das schon etwas einfacher. Für die teilweise kleinen Tritte an den Kletterstellen sind die Wings einfach zu weich. Dass man hinter sich 2000 Meter tief direkt ins Inntal schauen kann, senkt den Puls genauso wenig wie die nicht immer ganz solide aussehenden Befestigungen der ab und zu vorhandenen Drahtseile.
Aber dann stehe ich auf dem zweiten Gipfel der Runde, der Hohen Munde, und die Sicht auf Stubaier und Zillertaler Alpen, das Karwendel, den Wetterstein, die Lechtaler ist atemberaubend. Hier der Blick nach Süden, Richtung Stubaier.
Und hier die Zillertaler, unten das Inntal.
Zu lange darf ich mich damit aber nicht aufhalten. Kurz runter und auf der anderen Seite wieder hoch auf den Ostgipfel, dann der Abstieg auf einem erdigen Wegchen. Bis zu 40 Grad steil und 600 Meter hoch ist die Ostflanke, hier sollte man auch nicht unbedingt ausrutschen.
Im anschließenden Latschengürtel steht die Hitze, und unten auf der Rauthhütte stürze ich erstmal Cola und Skiwasser runter. Von unten gesehen ist die Hohe Munde schon ein Brocken.
Der weitere Weg an den diversen Ortsteilen von Leutasch vorbei empfinde ich als Tortur. Die Sonne brennt vom Himmel, es ist unerträglich heiß. Eigentlich könnte man hier flott laufen, aber ich bringe höchstens noch einen müden Trab hin. Wenigstens kann ich die Trinkblase im Fluss auffüllen. Ab und zu brauche ich eine Pause, wenn sich mal eine schattige Bank zeigt. Ich bin beinahe erleichtert, als ich nach fast zwei Stunden beim Aufstieg Richtung Meilerhütte ankomme.
Dieser verläuft wenigstens teilweise im schattigen Wald. Die schöne Aussicht auf die gegenüberliegenden Ahrnspitzen ist mir ein Foto wert.
Um halb sieben bin ich an der Hütte. Zweieinhalb Stunden für 1300 Höhenmeter - eher zügiges Wandertempo als Berglauf, aber die bisherige Anstrengung fordert ihren Tribut.
Angesichts der fortgeschrittenen Zeit lasse ich die Dreitorspitze aus. Ich will nicht zu weit in die Nacht hineinkommen. Dass diese Entscheidung goldrichtig war sehe ich auf dem Weg hinunter zur Schachenhütte. Entgegen der Wettervorhersage braut sich etwas zusammen.
20 Minuten bergab, so schnell es geht, und mit den ersten Tropfen erreiche ich die Hütte. Hier ist reger Betrieb, da einige auf dem Weg zur Meilerhütte umgedreht haben und hier jetzt ein Nachtlager brauchen. Es dauert eine ganze Weile, bis sich Blitz und Donner verzogen haben, oder sich zumindest nur noch auf entfernteren Gipfeln austoben. Als ich den Weiterweg für vertretbar halte, ist es neun Uhr abends und schon wieder dunkel. Richtiger Spaß kommt auf dem nun nassen und rutschigen Steig hinunter zur Partnach nicht mehr auf. Eindrucksvolles Wetterleuchten erhellt ab und zu die Stellen, wo man nicht hinunterpurzeln sollte.
Auch über den letzten Anstieg von der Bockhütte Richtung Stuiben und weiter zum Kreuzeck hält sich meine Freude in Grenzen. Aber ich muss ja zum Auto zurück. Da es auf den umliegenden Gipfeln immer noch rumort, ist natürlich auch die Alpspitze gestrichen. Für ein kleines Stileben am Wegrand packe ich trotzdem nochmal den Foto aus
Kurz bevor ich wieder unten in Hammersbach bin, verliere ich noch den Weg auf einer Kuhweide. Querung über die Wiese nach Blick auf das GPS, und dabei saue ich mir die Schuhe nochmal so richtig ein. Dunkelbraun statt orange. Die muss ich im Bach unten erstmal grob säubern, bevor ich ins Auto steige. Bei selbigem komme ich dann um 2 Uhr an.
Jetzt bin ich am Grübeln, ob ich eine solche Tour nochmal machen soll. 28 Stunden für knapp 80 Kilometer hat mit Laufen nicht mehr viel zu tun (ok, da sind natürlich alle Pausen wegen Orientierung, Müdigkeit und Gewitter mit drin). Und ein Kilo Steigeisen über die ganze Strecke zu schleppen ist auch nicht so prickelnd, vor allem, weil die mit dem anderen Geraffel nicht in den leichten Laufrucksack passen. Also vielleicht doch lieber die anspruchsvolleren Wege als "normale" Bergtour angehen, und für Trailrunden Strecken suchen, auf denen man zumindest halbwegs zügig unterwegs sein kann? Muss ich mir nochmal ausgiebig überlegen.
Ein sehr intensives Mentaltraining war es auf alle Fälle, besonders die letzten Stunden. Aber es war dann doch ganz gut, da nicht noch jemanden mit hineingezogen zu haben.
Sonntag, 29. Juli 2012
100 Meilen im Chiemgau, gut gewürzt
Trailläufe gibt es inzwischen einige in D-A-CH. Eine ganze Reihe davon in den Alpen. Vor zehn Jahren waren die noch dünn gesät, und so hatte Giselher Schneider in Ruhpolding vor sieben Jahren seine eigene Veranstaltung nach dem Vorbild großer Ultratrails in den USA aus der Taufe gehoben, den Chiemgauer 100er.
2009 war ich zum erstenmal dabei, auf der 100-Kilometer-Strecke. Im Jahr darauf dann nochmal, und letztes Jahr habe ich mich dann an die große Runde getraut. Obwohl ich danach ziemlich fertig war, und noch einige Monate Probleme mit dem Schienbein hatte, wollte ich das dieses Jahr wiederholen. Es braucht etwas Glück, einen Startplatz zu bekommen. Da es mehr Anmeldungen als Plätze gibt, entscheidet das Los. Da die Strecke durch Naturschutzgebiet führt, sind maximal 100 Läufer für die 100-km-Strecke zugelassen, dazu 50 100-Meiler. Persönlich liegt mir der Rummel einiger inzwischen sehr bekannter Läufe im deutschen Alpenraum nicht so, deshalb schätze ich diese eher familiäre Veranstaltung im Chiemgau so sehr.
Also holte ich mir Freitag um zwölf im Stadion bei Ruhpolding die Startnummer ab. Bis eins trudelten noch einige bekannte Gesichter ein, und dann fand auch das Briefing statt. Und das war auch wirklich kurz gehalten. Begrüßung, Erklärung der Streckenmarkierung und ein Hinweis auf die angesagten Gewitter am Samstag. Da die lokale Lage vom Wettkampfbüro aus schwer zu beurteilen sein würde, müsse jeder Läufer selber entscheiden, wo er wartet, weiterläuft, oder eine der offiziellen Abkürzungen nimmt. Blitzschlag sei bekannterweise lebensgefährlich. Es ist ja keiner zum ersten Mal in den Bergen unterwegs. Einige behutsame Streckenänderungen gab es im Vergleich zu den letzten Jahren. Etwas mehr interessante Pfade, dafür weniger Forstweg. Höhenmeter sind dadurch auch noch ein paar dazugekommen, wobei die Angabe wohl bisher schon etwas zu niedrig lag. 7100 sind es nun offiziell.
Hier Start und Ziel mit Blick auf den Rauschberg.
Um 15 Uhr wurde dann mit einem "Los geht's" gestartet. Die 100-Meilen-Läufer können bis 21 Uhr zu jeder vollen Stunde starten. Man kommt nach 86 Kilometern wieder am Stadion an, und kann dann erst um halb fünf morgens auf der dann identischen 100-Kilometer-Strecke weiter, da vorher die Kontroll- und Versorgungsposten noch nicht besetzt sind. Ein großer Teil wählte den frühesten Start, obwohl das bei 30 Grad kein Zuckerschlecken war. Dieses Wetter war sozusagen das Extrasalz in der Ultrasuppe.
Die ersten Kilometer gab es auch nicht viel Schatten. Danach verlief der Kurs teils im Wald, da war es dann etwas angenehmer. Ich fing verhalten an, ließ dann aber den Beinen ihren Lauf. Auf dem Weg zum Zinnkopf sah ich die ersten beiden vor mir. Ein Stückchen nach der ersten Versorgungsstelle bei Kilometer 18 war wir zu zweit, und nach einer Weile war ich dann alleine unterwegs. Die Positionierung hat übrigens überhaupt nichts zu sagen, da die schnellen Läufer später starten, und dann natürlich um die Differenz vorne liegen.
Immer wieder gab es schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge.
Bei den Bäumen ist ein Kontrollpunkt versteckt.
Der nächste Checkpoint an der Stoißer Alm. Es wird langsam abend.
Auf dem Weg nach Adlgaß, der nächsten Versorgungsstelle bei Kilometer 52, wurde es dunkel, und die Stirnlampe kam zum Einsatz. In Adlgaß hoffte ich auf die nachfolgenden Läufer, da ich eigentlich nicht alleine durch die Nacht laufen wollte. Aber nach 20 Minuten ausgiebiger Versorgung war außer der tollen Helfertruppe immer noch niemand zu sehen, und so lief ich eben weiter. Der Aufstieg zur Kohleralm kam mir länger vor als letztes Jahr. Wie schnell man solche Anstrengung doch vergisst. Die Stimmung dort oben war aber genauso toll, und ich wurde mit allem versorgt, was ich mir wünschen konnte: Wasser, Isogetränk, heiße Brühe, gekochte Kartoffeln, und sogar mit Taschenlampenbegleitung zum Anfang des nicht ganz einfachen Abstiegs. Man muss wissen, dass sämtliches Material hierher getragen werden muss.
Allen Helfern, die sich für uns Läufer teilweise die ganze Nacht auf einsamen Hütten herumschlagen, sei die laue Sommernacht von Herzen gegönnt. Zum Laufen waren aber selbst die etwa 20 Grad noch zu warm, und viel weiter sank das Thermometer auch nicht an den höchsten Punkten. Trotzdem lief es einigermaßen rund bei mir, und so kam ich auch an den nächsten Kontrollstellen noch als erster durch. Früh genug, um einmal der Besatzung eine halbe Flasche Bier weg zutrinken. Danke schön ;)!
Die Trockenheit machte den teilweise absturzgefährdeten Pfad unter dem Rauschberg etwas einfacher. Konzentrieren musste man sich natürlich trotzdem. Danach rollte es entspannt auf Forstwegen ins Stadion, wo ich kurz vor dem Start der 100-Kilometer-Läufer eintraf. Nach ausgiebiger Verpflegung und Schuh- und Sockenwechsel machte ich mich kurz nach fünf dann auf die zweite Runde. Inzwischen waren auch zwei weitere 100-Meilen-Läufer im Stadion eingetroffen.
Der nächste Anstieg war gleich wieder knackig, und im oberen, steilen Stück zeigte die Sonne schon wieder, dass sie auch noch da war. Musste denn das Wetter schon wieder so schön werden? 600 Höhenmeter weiter überholten mich dann die späteren 100-Meilen-Sieger, die erst um 18 Uhr gestartet waren. Die beiden liefen hintereinander her wie einstudiert, und nichts zeigte mir, dass sie schon 12 Stunden, über 90 Kilometer und beinahe 4000 Höhenmeter in den Beinen hatten. Selber fühlte ich mich zu dem Zeitpunkt nicht mehr ganz frisch.
Der Blick rüber zur Hörndlwand verhieß auch nichts Gutes.
Was sich, nach etwas anspruchsvollem Auf und Ab dort angekommen, dann auch bewahrheitete. Der steile Aufstieg zum Joch unter der Hörndlwand ist perfekt zur Morgensonne ausgerichtet, und zwischen den Latschen und im Geröllfeld kam ich mir schon wieder vor wie ein Grillhendl.
Endlich oben. Perfekter Blick auf den Wilden Kaiser. Einige Helfer haben ein paar Kanister Wasser hier hochgeschleppt.
Der berüchtigte Abstieg auf der anderen Seite war angenehm trocken, und das senkte die Wahrscheinlichkeit, sich schmerzhaft auf den Hintern zu setzen. Etwas Gutes musste die Bruthitze ja auch haben. Die nächste große Versorgungsstelle folgte bei Kilometer 103, dann wieder Kilometer- und Höhenmetersammeln mal auf Forstwegen, mal auf Single Trails. Der Tag wurde immer heißer, ich wurde immer langsamer, und kam mit dem Trinken kaum nach.
Ein besonderes Schmankerl war der Aufstieg über die steile Skipiste nach der Versorgungsstelle bei Kohlstatt. Die Sonne knallte in die teilweise schulterhoch gewachsene Wiese, und das Klima konnte mit dem Tropenhaus im Münchner Zoo leicht konkurrieren.
Eines der neuen Streckenstücke verlief auf einem der vermutlich seltenen Wege, auf denen man auch nach mehreren Tagen Trockenheit noch bis zum Knöchel im Morast versinken konnte. Kleiner Gruß vom Rennchef sozusagen. Kleiner Fluch zurück, als der Schuh beinahe im Schlamm stecken blieb ;).
Auf dem Weg zum letzten Kontrollpunkt vor dem Hochfelln-Finale lag ich noch gut in der Zeit. Als dann der Himmel aber binnen Minuten finster wurde, machte ich mich langsam mit dem Gedanken an die 141-Kilometer-Abkürzung vertraut. Als das Unwetter kam, blieb das Gewitter zwar auf den Bergkämmen hängen, aber die begleitende Schleußenöffnung bekam ich voll mit. Trotz Regenjacke wartete ich das Schlimmste unter dem Dach eines kleinen Häuschens ab, dann marschierte ich hoch zum Kontrollpunkt Egg.
Dort tröpfelte es noch leicht, das Gewitter hatte sich verzogen. Ein Blick auf das Regenradar auf dem Smartphone eines freundlichen Helfes zeigte auch keine weiteren Zellen in drohender Nähe, ich lag noch gut in der Zeit, und auch meine Stimmung war wieder ganz in Ordnung. Anderthalb Stunden, gut 6 Kilometer und 800 Höhenmeter später war ich auf dem Hochfelln. Die Luft war frisch und klar, Wolkenfetzen hingen in den benachbarten Bergen. Leider nahm ich mir keine Zeit zum Fotografieren, sondern machte mich nach kurzer Verpflegung gleich wieder auf den Weg nach unten. Dieses technisch wahrscheinlich anspruchsvollste Stück der ganzen Strecke kam mir diesmal gar nicht so schwer vor. Die 15 verbleibenden Kilometer Forstweg ins Ziel zogen sich allerdings so zäh wie üblich, und die Gegenanstiege machten das nicht besser. Wenige Kilometer vor dem Ziel kamen dann noch schmerzhafte Signale von der Achillessehne, und ich verlegte mich vorsichtshalber aufs Marschieren.
Kurz nach halb zehn lief ich im Flutlicht durch den Bogen. Begrüßung durch Rennchef Giselher Schneider persönlich wie bei jedem Läufer, essen, essen, essen, trinken, trinken, trinken. Duschen und unter der überdachten Zuschauertribüne in den Schlafsack.
Am nächsten Tag war dann noch die Siegerehrung. Keine Afterrun-Party, eher eine Art Familienfest. Siebter wurde ich von den 10 100-Meilen-Finishern, und mit meiner Zeit von etwas über 30 1/2 Stunden bin ich doch sehr zufrieden. Die Bedingungen hatten ihren Tribut gefordert. Einige haben die "Abkürzungen" auf 129 und 141 Kilometer gewählt. Fast die Hälfte musste aussteigen. Vor denen habe ich - natürlich außer vor den unermüdlichen, tollen Helfern - den größten Respekt. Jeder wusste, wie weit er gehen konnte, und wann es Zeit war, aufzuhören. Ich bin schon ein bisschen stolz, dass ich bei einer so tollen, erfahrenen Truppe mitlaufen durfte. Auch auf der 100-km-Strecke hatte das Wetter gewirkt. Zwei Favoriten bei den Herren sind wegen der Hitze bei Kilometer 42 ausgestiegen. Trotzdem wurden viele tolle Ergebnisse erlaufen.
Wie schon in den letzten Jahren war der Chiemgauer 100er für mich das läuferische Highlight des Jahres. Eine prächtige Stimmung, eine tolle Organisation. Und ich habe es sonst noch nirgends erlebt, dass viele Läufer am Morgen direkt nach so einem Ding schon genau wissen, dass sie nächstes Jahr wieder dabei sein wollen.
Eine große Überraschung kam für mich dann noch zum Schluss. Wie immer werden die gestifteten Preise unter den Läufern verlost. Da sind Sonnenbrillen dabei, Laufrucksäcke, und auch sonst allerhand Nützliches. Einer der schönsten Preise ist ein Tandemflug mit dem Gleitschirm vom Hochfelln. Und ausgerechnet bei dem wird meine Startnummer gezogen. Ich werde das Chiemgau also bald noch einmal besuchen.
Unter www.chiemgauer100.de gibt es in der Sparte "Imperssionen" noch Links zu weiteren Berichten und vielen Fotos.
2009 war ich zum erstenmal dabei, auf der 100-Kilometer-Strecke. Im Jahr darauf dann nochmal, und letztes Jahr habe ich mich dann an die große Runde getraut. Obwohl ich danach ziemlich fertig war, und noch einige Monate Probleme mit dem Schienbein hatte, wollte ich das dieses Jahr wiederholen. Es braucht etwas Glück, einen Startplatz zu bekommen. Da es mehr Anmeldungen als Plätze gibt, entscheidet das Los. Da die Strecke durch Naturschutzgebiet führt, sind maximal 100 Läufer für die 100-km-Strecke zugelassen, dazu 50 100-Meiler. Persönlich liegt mir der Rummel einiger inzwischen sehr bekannter Läufe im deutschen Alpenraum nicht so, deshalb schätze ich diese eher familiäre Veranstaltung im Chiemgau so sehr.
Also holte ich mir Freitag um zwölf im Stadion bei Ruhpolding die Startnummer ab. Bis eins trudelten noch einige bekannte Gesichter ein, und dann fand auch das Briefing statt. Und das war auch wirklich kurz gehalten. Begrüßung, Erklärung der Streckenmarkierung und ein Hinweis auf die angesagten Gewitter am Samstag. Da die lokale Lage vom Wettkampfbüro aus schwer zu beurteilen sein würde, müsse jeder Läufer selber entscheiden, wo er wartet, weiterläuft, oder eine der offiziellen Abkürzungen nimmt. Blitzschlag sei bekannterweise lebensgefährlich. Es ist ja keiner zum ersten Mal in den Bergen unterwegs. Einige behutsame Streckenänderungen gab es im Vergleich zu den letzten Jahren. Etwas mehr interessante Pfade, dafür weniger Forstweg. Höhenmeter sind dadurch auch noch ein paar dazugekommen, wobei die Angabe wohl bisher schon etwas zu niedrig lag. 7100 sind es nun offiziell.
Hier Start und Ziel mit Blick auf den Rauschberg.
Um 15 Uhr wurde dann mit einem "Los geht's" gestartet. Die 100-Meilen-Läufer können bis 21 Uhr zu jeder vollen Stunde starten. Man kommt nach 86 Kilometern wieder am Stadion an, und kann dann erst um halb fünf morgens auf der dann identischen 100-Kilometer-Strecke weiter, da vorher die Kontroll- und Versorgungsposten noch nicht besetzt sind. Ein großer Teil wählte den frühesten Start, obwohl das bei 30 Grad kein Zuckerschlecken war. Dieses Wetter war sozusagen das Extrasalz in der Ultrasuppe.
Die ersten Kilometer gab es auch nicht viel Schatten. Danach verlief der Kurs teils im Wald, da war es dann etwas angenehmer. Ich fing verhalten an, ließ dann aber den Beinen ihren Lauf. Auf dem Weg zum Zinnkopf sah ich die ersten beiden vor mir. Ein Stückchen nach der ersten Versorgungsstelle bei Kilometer 18 war wir zu zweit, und nach einer Weile war ich dann alleine unterwegs. Die Positionierung hat übrigens überhaupt nichts zu sagen, da die schnellen Läufer später starten, und dann natürlich um die Differenz vorne liegen.
Immer wieder gab es schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge.
Bei den Bäumen ist ein Kontrollpunkt versteckt.
Der nächste Checkpoint an der Stoißer Alm. Es wird langsam abend.
Auf dem Weg nach Adlgaß, der nächsten Versorgungsstelle bei Kilometer 52, wurde es dunkel, und die Stirnlampe kam zum Einsatz. In Adlgaß hoffte ich auf die nachfolgenden Läufer, da ich eigentlich nicht alleine durch die Nacht laufen wollte. Aber nach 20 Minuten ausgiebiger Versorgung war außer der tollen Helfertruppe immer noch niemand zu sehen, und so lief ich eben weiter. Der Aufstieg zur Kohleralm kam mir länger vor als letztes Jahr. Wie schnell man solche Anstrengung doch vergisst. Die Stimmung dort oben war aber genauso toll, und ich wurde mit allem versorgt, was ich mir wünschen konnte: Wasser, Isogetränk, heiße Brühe, gekochte Kartoffeln, und sogar mit Taschenlampenbegleitung zum Anfang des nicht ganz einfachen Abstiegs. Man muss wissen, dass sämtliches Material hierher getragen werden muss.
Allen Helfern, die sich für uns Läufer teilweise die ganze Nacht auf einsamen Hütten herumschlagen, sei die laue Sommernacht von Herzen gegönnt. Zum Laufen waren aber selbst die etwa 20 Grad noch zu warm, und viel weiter sank das Thermometer auch nicht an den höchsten Punkten. Trotzdem lief es einigermaßen rund bei mir, und so kam ich auch an den nächsten Kontrollstellen noch als erster durch. Früh genug, um einmal der Besatzung eine halbe Flasche Bier weg zutrinken. Danke schön ;)!
Die Trockenheit machte den teilweise absturzgefährdeten Pfad unter dem Rauschberg etwas einfacher. Konzentrieren musste man sich natürlich trotzdem. Danach rollte es entspannt auf Forstwegen ins Stadion, wo ich kurz vor dem Start der 100-Kilometer-Läufer eintraf. Nach ausgiebiger Verpflegung und Schuh- und Sockenwechsel machte ich mich kurz nach fünf dann auf die zweite Runde. Inzwischen waren auch zwei weitere 100-Meilen-Läufer im Stadion eingetroffen.
Der nächste Anstieg war gleich wieder knackig, und im oberen, steilen Stück zeigte die Sonne schon wieder, dass sie auch noch da war. Musste denn das Wetter schon wieder so schön werden? 600 Höhenmeter weiter überholten mich dann die späteren 100-Meilen-Sieger, die erst um 18 Uhr gestartet waren. Die beiden liefen hintereinander her wie einstudiert, und nichts zeigte mir, dass sie schon 12 Stunden, über 90 Kilometer und beinahe 4000 Höhenmeter in den Beinen hatten. Selber fühlte ich mich zu dem Zeitpunkt nicht mehr ganz frisch.
Der Blick rüber zur Hörndlwand verhieß auch nichts Gutes.
Was sich, nach etwas anspruchsvollem Auf und Ab dort angekommen, dann auch bewahrheitete. Der steile Aufstieg zum Joch unter der Hörndlwand ist perfekt zur Morgensonne ausgerichtet, und zwischen den Latschen und im Geröllfeld kam ich mir schon wieder vor wie ein Grillhendl.
Endlich oben. Perfekter Blick auf den Wilden Kaiser. Einige Helfer haben ein paar Kanister Wasser hier hochgeschleppt.
Der berüchtigte Abstieg auf der anderen Seite war angenehm trocken, und das senkte die Wahrscheinlichkeit, sich schmerzhaft auf den Hintern zu setzen. Etwas Gutes musste die Bruthitze ja auch haben. Die nächste große Versorgungsstelle folgte bei Kilometer 103, dann wieder Kilometer- und Höhenmetersammeln mal auf Forstwegen, mal auf Single Trails. Der Tag wurde immer heißer, ich wurde immer langsamer, und kam mit dem Trinken kaum nach.
Ein besonderes Schmankerl war der Aufstieg über die steile Skipiste nach der Versorgungsstelle bei Kohlstatt. Die Sonne knallte in die teilweise schulterhoch gewachsene Wiese, und das Klima konnte mit dem Tropenhaus im Münchner Zoo leicht konkurrieren.
Eines der neuen Streckenstücke verlief auf einem der vermutlich seltenen Wege, auf denen man auch nach mehreren Tagen Trockenheit noch bis zum Knöchel im Morast versinken konnte. Kleiner Gruß vom Rennchef sozusagen. Kleiner Fluch zurück, als der Schuh beinahe im Schlamm stecken blieb ;).
Auf dem Weg zum letzten Kontrollpunkt vor dem Hochfelln-Finale lag ich noch gut in der Zeit. Als dann der Himmel aber binnen Minuten finster wurde, machte ich mich langsam mit dem Gedanken an die 141-Kilometer-Abkürzung vertraut. Als das Unwetter kam, blieb das Gewitter zwar auf den Bergkämmen hängen, aber die begleitende Schleußenöffnung bekam ich voll mit. Trotz Regenjacke wartete ich das Schlimmste unter dem Dach eines kleinen Häuschens ab, dann marschierte ich hoch zum Kontrollpunkt Egg.
Dort tröpfelte es noch leicht, das Gewitter hatte sich verzogen. Ein Blick auf das Regenradar auf dem Smartphone eines freundlichen Helfes zeigte auch keine weiteren Zellen in drohender Nähe, ich lag noch gut in der Zeit, und auch meine Stimmung war wieder ganz in Ordnung. Anderthalb Stunden, gut 6 Kilometer und 800 Höhenmeter später war ich auf dem Hochfelln. Die Luft war frisch und klar, Wolkenfetzen hingen in den benachbarten Bergen. Leider nahm ich mir keine Zeit zum Fotografieren, sondern machte mich nach kurzer Verpflegung gleich wieder auf den Weg nach unten. Dieses technisch wahrscheinlich anspruchsvollste Stück der ganzen Strecke kam mir diesmal gar nicht so schwer vor. Die 15 verbleibenden Kilometer Forstweg ins Ziel zogen sich allerdings so zäh wie üblich, und die Gegenanstiege machten das nicht besser. Wenige Kilometer vor dem Ziel kamen dann noch schmerzhafte Signale von der Achillessehne, und ich verlegte mich vorsichtshalber aufs Marschieren.
Kurz nach halb zehn lief ich im Flutlicht durch den Bogen. Begrüßung durch Rennchef Giselher Schneider persönlich wie bei jedem Läufer, essen, essen, essen, trinken, trinken, trinken. Duschen und unter der überdachten Zuschauertribüne in den Schlafsack.
Am nächsten Tag war dann noch die Siegerehrung. Keine Afterrun-Party, eher eine Art Familienfest. Siebter wurde ich von den 10 100-Meilen-Finishern, und mit meiner Zeit von etwas über 30 1/2 Stunden bin ich doch sehr zufrieden. Die Bedingungen hatten ihren Tribut gefordert. Einige haben die "Abkürzungen" auf 129 und 141 Kilometer gewählt. Fast die Hälfte musste aussteigen. Vor denen habe ich - natürlich außer vor den unermüdlichen, tollen Helfern - den größten Respekt. Jeder wusste, wie weit er gehen konnte, und wann es Zeit war, aufzuhören. Ich bin schon ein bisschen stolz, dass ich bei einer so tollen, erfahrenen Truppe mitlaufen durfte. Auch auf der 100-km-Strecke hatte das Wetter gewirkt. Zwei Favoriten bei den Herren sind wegen der Hitze bei Kilometer 42 ausgestiegen. Trotzdem wurden viele tolle Ergebnisse erlaufen.
Wie schon in den letzten Jahren war der Chiemgauer 100er für mich das läuferische Highlight des Jahres. Eine prächtige Stimmung, eine tolle Organisation. Und ich habe es sonst noch nirgends erlebt, dass viele Läufer am Morgen direkt nach so einem Ding schon genau wissen, dass sie nächstes Jahr wieder dabei sein wollen.
Eine große Überraschung kam für mich dann noch zum Schluss. Wie immer werden die gestifteten Preise unter den Läufern verlost. Da sind Sonnenbrillen dabei, Laufrucksäcke, und auch sonst allerhand Nützliches. Einer der schönsten Preise ist ein Tandemflug mit dem Gleitschirm vom Hochfelln. Und ausgerechnet bei dem wird meine Startnummer gezogen. Ich werde das Chiemgau also bald noch einmal besuchen.
Unter www.chiemgauer100.de gibt es in der Sparte "Imperssionen" noch Links zu weiteren Berichten und vielen Fotos.
Mittwoch, 18. Juli 2012
Kleines Tierchen, große Wirkung
Eigentlich wollte ich letztes Wochenende nochmal trainieren gehen. Bisschen Strecke, viel Höhenmenter. Nicht nur das zweifelhafte Wetter hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Am Sonntag schmerzte wie aus heiterem Himmel mein rechter Ellbogen. War auch schön dick, rot und warm. Mir schwante nichts Gutes: genau hier hatte mich vor zwei Wochen am Ende der Wettersteinrunde eine Bremse erwischt. Am Montag dann die Bestätigung beim Orthopäden. Schleimbeutelentzündung, sehr wahrscheinlich wurden durch den Stich irgendwelche Erreger eingebracht. Wenn ein Rivanolverband nichts bringt, dann muss der Schleimbeutel raus. Tolle Aussichten! Ich will doch übernächste Woche ins Chiemgau zum Laufen ...
Am nächsten Tag dann die Erleichterung. Der Verband wirkt, und in ein paar Tagen ist der Spuk vorbei. Was einem nicht so alles passieren kann.
Am Sonntag schmerzte wie aus heiterem Himmel mein rechter Ellbogen. War auch schön dick, rot und warm. Mir schwante nichts Gutes: genau hier hatte mich vor zwei Wochen am Ende der Wettersteinrunde eine Bremse erwischt. Am Montag dann die Bestätigung beim Orthopäden. Schleimbeutelentzündung, sehr wahrscheinlich wurden durch den Stich irgendwelche Erreger eingebracht. Wenn ein Rivanolverband nichts bringt, dann muss der Schleimbeutel raus. Tolle Aussichten! Ich will doch übernächste Woche ins Chiemgau zum Laufen ...
Am nächsten Tag dann die Erleichterung. Der Verband wirkt, und in ein paar Tagen ist der Spuk vorbei. Was einem nicht so alles passieren kann.
Sonntag, 1. Juli 2012
Höhenmeter fressen
Anfangs des Jahres habe ich mich wieder für den Chiemgauer 100er angemeldet. Und dort sollte man natürlich nicht ganz unvorbereitet hingehen. Ein paar weitere Höhenmeter müssen noch in den Trainingsplan, und mit drei Tagen Zeit machte ich mich mal wieder auf in mein Trainingsrevier.
Tag 1
Zum Auftakt also eben wieder einmal die große Runde um den Wetterstein. Der Herdenauftrieb des Zugspitze-Ultratrails fand ja erst letztes Wochenende statt, da müssten die Wege gut eingelaufen sein ;-). Morgens um halb eins los, diesmal auch ohne Fotoapparat (immer die gleichen Bilder werden ja auch mal langweilig). Möglichst zügig durchkommen, um rechtzeitig vor den angekündigten Nachmittagsgewittern aus dem Gröbsten raus zu sein.
So der Plan. Morgens um halb sieben war ich gerade am höchsten Punkt der ganzen Strecke angelangt, als mir jemand mit gewaltigem Rumpeln zu verstehen gab, dass dies nicht ganz so funktionieren würde. 300 Höhenmeter ziemlich zügiger Downhill brachten mich zu einer kleinen Hütte, die zwar verschlossen war, unter deren Vordach ich das Ganze aber trocken und einigermaßen sicher vorbeiziehen lassen konnte. Hat eine ganze Stange Zeit gekostet, bis die Donnerei weit genug weg war, und nur noch der Regen übrig war. Regenklamotten hatte ich dabei, aber es war jetzt ganz schön rutschig.
Eine Stunde später kam wieder die Sonne raus und heizte die Szenerie gehörig auf, vor allem auf der Strecke im Tal von Leutasch bis Mittenwald. Die Markierungen der Veranstaltung waren teilweise noch zu sehen, und ich folgte denen soweit noch sichtbar. Eigentlich dachte ich, ich kenne die Strecke, aber es gibt wohl ab und zu kleine Veränderungen. Einmal habe ich den falschen Forstweg genommen und musste wieder zurück.
Der letzte Anstieg zum Kreuzeck war wieder mal zäh. Auch weil im Partnachtal ein Hauch von Subtropen wehte, und mich am Beginn der Steigung Geschwader von Bremsen angriffen. Davonlaufen kann man denen nicht, schon gar nicht berghoch. Also immer wieder stehenbleiben, warten, bis sich eine gesetzt hat, und dann rechtzeitig zuschlagen. Das klingt jetzt nicht sehr tierlieb, aber diese Dinger wecken in mir den Killerinstinkt. Ich bleibe doch gerne am Ende der Nahrungskette ;-). Wenn fünf gleichzeitig kommen, dann wird das aber ein anspruchsvoller Zeitvertreib. Und zweimal haben sie mich doch erwischt.
Die etwas unlogische Schleife über den Osterfelderkopf hätte meinen Plan für den Abend durcheinandergebracht, und so habe ich mir diese wieder mal gespart. Dafür gönnte ich mir nach dem finalen Abstieg noch ein Vollbad im Hammersbach. Brrrr!
Trotz Weglassen des Osterfelderkopfes zeigte der Track später beinahe die Kilometer- und Höhenmeterzahl des offiziellen Kurses. Der ist allerdings nirgends detailliert veröffentlicht, vermutlich, da Änderungen im Vergleich zum Vorjahr gemacht wurden und sich keiner der Teilnehmer zu fix "einschießen" soll. Wieder mal war ich fast 21 Stunden unterwegs. Auch wenn ich Gewitterpause und Eisbad abziehe, den schwereren Rucksack wegen der kompletten Eigenversorgung, den ab und zu hängenden Magen (die Riegel haben doch nicht ganz gereicht) und die spezielle Motivation bei einem Rennen mit anderen Teilnehmern in Betracht ziehe und dann vielleicht 3 oder 4 Stunden rausholen könnte, finde ich es doch immer wieder sehr bemerkenswert, wie man so ein Ding in 11 Stunden durchrennen kann.
Tag 2
Nach einer Nacht im Schlafsack auf einer überdachten Bank in der Nähe von Grainau wollte ich dann am Samstag testen, wie gut die Regeneration geklappt hat. Nach dem Frühstück ein kurzes Stück mit dem Auto nach Lermoos. Dort stand der Daniel auf dem Programm. Wer mal von Garmisch Richtung Fernpass gefahren ist, hat dessen Nordostseite vielleicht schon als "steilen Zahn" über dem Wald aufragen sehen. Ich war noch nie oben, und da wurde es mal Zeit. Aber erstmal der Blick nach gegenüber, zu Sonnenspitze und Wampertem Schrofen. Über das Joch rechts führt dieses Jahr die 4-Trails-Strecke.
Die Oberschenkel fühlten sich gut an, und für die 500 Höhenmeter zur Tuftlalm brauchte ich 35 Minuten. Keine Spitzenzeit, aber ich war doch ganz zufrieden. Recht zügig konnte ich auch weiter, auf dem Verbindungsgrat von der Uppsspitze (heißt wirklich so) zum Daniel machte ich dann sicherheitshalber doch langsam.
Kurze Gipfelpause, dann zurück und auf die Uppsspitze. Richtig Spass machte dann der Abstieg über den sogenannten "Grünen Upps". Vor allem weiter von der Tuftlalm ins Tal, 500 Meter runter in 15 Minuten. Ein idealer Weg zum rennen, springen, Wanderern ausweichen. Zeit für die schönen Dinge am Wegrand muss trotzdem bleiben.
Nachdem inzwischen gerade mal Mittag war bin ich noch ein Stückchen Richtung Fernpass gefahren. Zweiter Gipfel für heute war der Hochwannig. Dort ging es erstmal auf unendlich scheinenden Kehren eines Fahrweges hoch zu einer Alm. Immerhin war die Aussicht schön, hier die Zugspitze von Süden.
Danach genau das Gegenteil: auf einem Pfad fast auf dem kürzesten Weg zum Gipfel. Im oberen Teil hatte ich das Gefühl, dass dieser Berg nur aus Geröll besteht. Nicht wirklich angenehm zu gehen (laufen kann ich bei der Steigung sowieso nicht mehr).
Das Gipfelkreuz hat wohl kürzlich trotz Blitzableiter etwas abbekommen. Da hätte ich nicht hier sein wollen.
Wieder runter rollte es ab der Alm auf dem Fahrweg eigentlich ganz gut. Wäre da nicht noch der gemeine Gegenanstieg kurz vor Schluss gewesen. Irgendwelche Wärmegewitter sind übrigens komplett ausgeblieben. Aber beschweren will ich mich darüber nicht :).
Tag 3
Jetzt fehlte mir nur noch ein Plan für Tag 3. Es sollte etwas gut Kalkulierbares sein, da heute ab frühem Nachmittag definitiv Schluss wäre mit dem Traumwetter. Früh los, schnell rauf, und zur Mittagszeit wieder unten sein. Und ein paar Höhenmeter sollten es auch nochmal werden. Nach einer erneuten Nacht im Schlafsack, diesmal auf dem Wanderparkplatz bei Hammersbach, und einem Start um halb fünf morgens wurde es dann ein "Quickie" auf die Zugspitze. Wie üblich durch die Höllentalklamm ...
... über die kleine Wand mit "Leiter" und "Brett", zwei ziemlich bekannte und interessante Wegstellen, ...
... hoch auf den Gipfel.
Ich lag zwar eine halbe Stunde über meiner eigenen Bestzeit. Angesichts der etwas schwereren Bergstiefel, die ich wegen eventueller Restschneefelder im Klettersteig angezogen hatte, war ich aber jetzt nicht so enttäuscht. Die Lauferei ist damit auf den flacheren Strecken doch ziemlich holprig. Auf dem Weg nach unten Richtung Eibsee und der anschließenden Strecke zurück zum Parkplatz merkte ich aber schon, dass jetzt auch genug war. Dieser kleine Kerl lief mir dabei noch über den Weg.
Ein kurzer, aber intensiver Ausriss aus dem Alltag. Den Körper auspowern, aber doch die Batterien auftanken. Man muss es nur tun, es liegt vor der Haustür. Das geht sicher auch anderswo.
Tag 1
Zum Auftakt also eben wieder einmal die große Runde um den Wetterstein. Der Herdenauftrieb des Zugspitze-Ultratrails fand ja erst letztes Wochenende statt, da müssten die Wege gut eingelaufen sein ;-). Morgens um halb eins los, diesmal auch ohne Fotoapparat (immer die gleichen Bilder werden ja auch mal langweilig). Möglichst zügig durchkommen, um rechtzeitig vor den angekündigten Nachmittagsgewittern aus dem Gröbsten raus zu sein.
So der Plan. Morgens um halb sieben war ich gerade am höchsten Punkt der ganzen Strecke angelangt, als mir jemand mit gewaltigem Rumpeln zu verstehen gab, dass dies nicht ganz so funktionieren würde. 300 Höhenmeter ziemlich zügiger Downhill brachten mich zu einer kleinen Hütte, die zwar verschlossen war, unter deren Vordach ich das Ganze aber trocken und einigermaßen sicher vorbeiziehen lassen konnte. Hat eine ganze Stange Zeit gekostet, bis die Donnerei weit genug weg war, und nur noch der Regen übrig war. Regenklamotten hatte ich dabei, aber es war jetzt ganz schön rutschig.
Eine Stunde später kam wieder die Sonne raus und heizte die Szenerie gehörig auf, vor allem auf der Strecke im Tal von Leutasch bis Mittenwald. Die Markierungen der Veranstaltung waren teilweise noch zu sehen, und ich folgte denen soweit noch sichtbar. Eigentlich dachte ich, ich kenne die Strecke, aber es gibt wohl ab und zu kleine Veränderungen. Einmal habe ich den falschen Forstweg genommen und musste wieder zurück.
Der letzte Anstieg zum Kreuzeck war wieder mal zäh. Auch weil im Partnachtal ein Hauch von Subtropen wehte, und mich am Beginn der Steigung Geschwader von Bremsen angriffen. Davonlaufen kann man denen nicht, schon gar nicht berghoch. Also immer wieder stehenbleiben, warten, bis sich eine gesetzt hat, und dann rechtzeitig zuschlagen. Das klingt jetzt nicht sehr tierlieb, aber diese Dinger wecken in mir den Killerinstinkt. Ich bleibe doch gerne am Ende der Nahrungskette ;-). Wenn fünf gleichzeitig kommen, dann wird das aber ein anspruchsvoller Zeitvertreib. Und zweimal haben sie mich doch erwischt.
Die etwas unlogische Schleife über den Osterfelderkopf hätte meinen Plan für den Abend durcheinandergebracht, und so habe ich mir diese wieder mal gespart. Dafür gönnte ich mir nach dem finalen Abstieg noch ein Vollbad im Hammersbach. Brrrr!
Trotz Weglassen des Osterfelderkopfes zeigte der Track später beinahe die Kilometer- und Höhenmeterzahl des offiziellen Kurses. Der ist allerdings nirgends detailliert veröffentlicht, vermutlich, da Änderungen im Vergleich zum Vorjahr gemacht wurden und sich keiner der Teilnehmer zu fix "einschießen" soll. Wieder mal war ich fast 21 Stunden unterwegs. Auch wenn ich Gewitterpause und Eisbad abziehe, den schwereren Rucksack wegen der kompletten Eigenversorgung, den ab und zu hängenden Magen (die Riegel haben doch nicht ganz gereicht) und die spezielle Motivation bei einem Rennen mit anderen Teilnehmern in Betracht ziehe und dann vielleicht 3 oder 4 Stunden rausholen könnte, finde ich es doch immer wieder sehr bemerkenswert, wie man so ein Ding in 11 Stunden durchrennen kann.
Tag 2
Nach einer Nacht im Schlafsack auf einer überdachten Bank in der Nähe von Grainau wollte ich dann am Samstag testen, wie gut die Regeneration geklappt hat. Nach dem Frühstück ein kurzes Stück mit dem Auto nach Lermoos. Dort stand der Daniel auf dem Programm. Wer mal von Garmisch Richtung Fernpass gefahren ist, hat dessen Nordostseite vielleicht schon als "steilen Zahn" über dem Wald aufragen sehen. Ich war noch nie oben, und da wurde es mal Zeit. Aber erstmal der Blick nach gegenüber, zu Sonnenspitze und Wampertem Schrofen. Über das Joch rechts führt dieses Jahr die 4-Trails-Strecke.
Die Oberschenkel fühlten sich gut an, und für die 500 Höhenmeter zur Tuftlalm brauchte ich 35 Minuten. Keine Spitzenzeit, aber ich war doch ganz zufrieden. Recht zügig konnte ich auch weiter, auf dem Verbindungsgrat von der Uppsspitze (heißt wirklich so) zum Daniel machte ich dann sicherheitshalber doch langsam.
Kurze Gipfelpause, dann zurück und auf die Uppsspitze. Richtig Spass machte dann der Abstieg über den sogenannten "Grünen Upps". Vor allem weiter von der Tuftlalm ins Tal, 500 Meter runter in 15 Minuten. Ein idealer Weg zum rennen, springen, Wanderern ausweichen. Zeit für die schönen Dinge am Wegrand muss trotzdem bleiben.
Nachdem inzwischen gerade mal Mittag war bin ich noch ein Stückchen Richtung Fernpass gefahren. Zweiter Gipfel für heute war der Hochwannig. Dort ging es erstmal auf unendlich scheinenden Kehren eines Fahrweges hoch zu einer Alm. Immerhin war die Aussicht schön, hier die Zugspitze von Süden.
Danach genau das Gegenteil: auf einem Pfad fast auf dem kürzesten Weg zum Gipfel. Im oberen Teil hatte ich das Gefühl, dass dieser Berg nur aus Geröll besteht. Nicht wirklich angenehm zu gehen (laufen kann ich bei der Steigung sowieso nicht mehr).
Das Gipfelkreuz hat wohl kürzlich trotz Blitzableiter etwas abbekommen. Da hätte ich nicht hier sein wollen.
Wieder runter rollte es ab der Alm auf dem Fahrweg eigentlich ganz gut. Wäre da nicht noch der gemeine Gegenanstieg kurz vor Schluss gewesen. Irgendwelche Wärmegewitter sind übrigens komplett ausgeblieben. Aber beschweren will ich mich darüber nicht :).
Tag 3
Jetzt fehlte mir nur noch ein Plan für Tag 3. Es sollte etwas gut Kalkulierbares sein, da heute ab frühem Nachmittag definitiv Schluss wäre mit dem Traumwetter. Früh los, schnell rauf, und zur Mittagszeit wieder unten sein. Und ein paar Höhenmeter sollten es auch nochmal werden. Nach einer erneuten Nacht im Schlafsack, diesmal auf dem Wanderparkplatz bei Hammersbach, und einem Start um halb fünf morgens wurde es dann ein "Quickie" auf die Zugspitze. Wie üblich durch die Höllentalklamm ...
... über die kleine Wand mit "Leiter" und "Brett", zwei ziemlich bekannte und interessante Wegstellen, ...
... hoch auf den Gipfel.
Ich lag zwar eine halbe Stunde über meiner eigenen Bestzeit. Angesichts der etwas schwereren Bergstiefel, die ich wegen eventueller Restschneefelder im Klettersteig angezogen hatte, war ich aber jetzt nicht so enttäuscht. Die Lauferei ist damit auf den flacheren Strecken doch ziemlich holprig. Auf dem Weg nach unten Richtung Eibsee und der anschließenden Strecke zurück zum Parkplatz merkte ich aber schon, dass jetzt auch genug war. Dieser kleine Kerl lief mir dabei noch über den Weg.
Ein kurzer, aber intensiver Ausriss aus dem Alltag. Den Körper auspowern, aber doch die Batterien auftanken. Man muss es nur tun, es liegt vor der Haustür. Das geht sicher auch anderswo.
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